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Infraschall – Deutliche Gefahr für die Gesundheit

veröffentlicht um 27.01.2015, 13:46 von Andreas Lobb   [ aktualisiert: 15.04.2015, 11:11 ]

WKAs erzeugen Infraschall! Wie wirkt sich Infraschall aus? Was bedeutet es für die betroffenen Menschen? Was kann unternommen werden, damit es zu keiner Schädigung kommt?

Beitrag von Heike und Michael Hungenberg

Im Februar 2014 berichtete Wissenschaftsjournalist H.J. Neubert erneut über die Auswirkungen von Infraschall durch Windkraftanlagen: Schwindel, Übelkeit, Konzentrationsstörungen: Das sind nur einige der Symptome, über die Anwohner in der Nähe von Windkraftanlagen (WKAs) klagen. Mediziner und Psychologen nennen es das Wind-Turbinen-Syndrom (WTS) [1].

In seinem Artikel wird auch darauf hingewiesen, dass das deutsche Umweltbundesamt die Bevölkerung vor Infraschall-Lärm schützen möchte. Weil es sich dabei aber nur auf sehr wenige umweltmedizinische Studien stützen konnte, wurde 2011 eine Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall (Bericht 40/2014, UBA-FB 001948) zu dieser wichtigen Thematik angestoßen, deren erste Ergebnisse nun seit 2014 vorliegen [2].

In dieser Studie wurde deutlich herausgearbeitet, dass WKAs relevante Quellen für Infraschall sind. Auf S. 135 dieser Studie wurde auch beispielhaft ein entsprechendes Messprotokoll aufgeführt, welches die Erzeugung von Infraschall belegt.

Im Dezember 2014 fand ein Ärzteforum zum Immissionsschutz (AEFIS) statt, welches die Studie des Umweltbundesamtes zitiert und zum gleichen Ergebnis kommt, dass aktuelle Normen und Verordnungen zur Genehmigung von WKAs für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung zweifelhaft sind [3].

Die mit Windrädern verbundenen Risiken für die Gesundheit sind unter anderem:

  • Tieffrequenter Schall versetzt das Stammhirn in einen „Alarmzustand“, die Folge: Schlafstörungen, Panik, Blutdruckanstieg, Konzentrationsstörungen
  • Infraschall beeinflusst das Innenohr, die Folge: Pulsation, Unwohlsein, Stress

Bis zum Vorliegen belastbarer Ergebnisse aus Langzeituntersuchungen fordern AEFIS, dass auch für den Gesundheitsschutz der Bevölkerung vorsorglich bundesweit der „Bayrische Mindestabstand“ von 10H festge-schrieben werden sollte und weiterhin eine Überarbeitung der Abstandsflächen bezüglich

1. Mindestabstand 10xH (Anlagenhöhe), für Gesundheitsstandorte 15xH
2. Einbeziehung der C‐Schallbewertung in die Schallprognose
3. Abschaltalgorithmen in Bezug auf:
a) ungünstige meteorologische Bedingungen mit geringerer Luftschalldämpfung (Luftfeuchtigkeit,
Luftschichtung)
b) verstärkte Körperschallübertragung
c) ungünstige Windrichtung
d) Hintergrundschallbedingungen (Amplitudenmodulation und tonale Spitzen dürfen den Level des
Hintergrundrauschens nicht übersteigen)

Gesundheitsschutz der Bevölkerung muss ernst genommen werden, da nach statistisch überschlägiger Berechnung bei weiterem ungebremsten Ausbau der Windkraft von derzeit 24.000 WKAs in Deutschland auf 40.000 WKAs in dem derzeit ungeschützten Bereich von bis zu 2 km Entfernung zur nächstgelegenen WKA rund 7 Millionen Menschen wohnen. Bei einer derzeit anzunehmenden 20%‐igen Erkrankungshäufigkeit bedeutet dies langfristig für 1,4 Millionen Menschen in Deutschland den ungewollten Erwerb einer chronischen Erkrankung!
Als Ärzte haben wir die Verpflichtung, unsere Patienten vor den Nachteilen einer zunehmenden Technisierung unserer Umwelt zu schützen und werden immer wieder darauf hinweisen, dass gesundheitliche Schutzbereiche im Sinne unserer Patienten nicht verhandelbar sind [4] .

Download: Beitrag

[1] Neubert, H.J., Windkraftwerke: Macht Infraschall krank?, 21.2.2014, www.wissenschaftsdebatte.de

[2] Umweltbundesamt: Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall, Juni 2014, Prof. Krahé et al. (40/2014, UBA – FB 001948, Link

[3] Positionspapier zu Gesundheitsrisiken beim Ausbau der Erneuerbaren Energien, DokumentLink

[4] Statement zu Abstandsregelungen, Ärzteforum Emissionsschutz (2014), Dokument, Link


Nachtrag:
Auf Nachfrage beim Bundesumweltamt zum Thema Infraschall bekamen wir die Antwort: "In 1 bis 2 Monaten wird eine sogenannte Laborstudie zum Infraschall beginnen. Diese Studie ist für eine Laufzeit von 3 Jahren geplant und hat unter Laborbedingungen zum Ziel die langfristigen Auswirkungen von Infraschall, insbesondere auch im niedrigeren Pegelbereich, zu erforschen."


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Andreas Lobb,
01.02.2015, 04:13
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Andreas Lobb,
01.02.2015, 04:07