Berichte‎ > ‎Wissenswertes‎ > ‎

Don Quijotes Kampf gegen Windmühlen, Teil 2: Die Mär vom Energiewunder in Langenfeld

veröffentlicht um 23.02.2013, 06:51 von Andreas Lobb   [ aktualisiert: 12.03.2015, 14:17 ]
Zu der Aussage eines Langenfelder Kommunalpolitikers, mit zwei Windkraftanlagen ließe sich der halbe Strombedarf von Langenfeld decken.

Ein Beitrag von Andreas Lobb

In der Ausgabe 1 der Langenfelder Zeitschrift „L-Aktuell“ im Jahr 2012 findet sich die Aussage eines Langenfelder Kommunalpolitikers, mit nur zwei Windkraftanlagen (WKA) könne der halbe Strombedarf der Stadt Langenfeld abgedeckt werden.
Wäre die Aussage zutreffend, würde man sich als Langenfelder Bürger fragen, weswegen nicht schon längst die vier erforderlichen WKA aufgestellt worden sind, mit denen alle Langenfelder Bürgerinnen und Bürger mit regenerativem Strom aus Windenergie versorgt werden könnten. Selbst wer als Bürgerin oder Bürger von der Errichtung der WKA unmittelbar betroffen wäre, täte sich schwer, sich einem solchen Energiewunder in den Weg zu stellen.

Nie mehr Atomstrom. Nie mehr Kohlestrom. Durch nur vier WKA!

Das Bedauerliche ist nur: Die Aussage stimmt nicht! Nicht einmal ansatzweise!

Gehen wir der Sache auf den Grund:
Wenige Monate vor der Äußerung des Kommunalpolitikers hat die Stadt Langenfeld ihr Klimaschutzkonzept[1] veröffentlicht. Dort wird der Stromverbrauch der Stadt im Jahr 2008 mit 207 GWh/a[2][3] angegeben.

Wie in meinem Beitrag „Nennleistungist nicht gleich Ist-Leistung“ nachzulesen, ist bei einer WKA, wie sie für Langenfeld zurzeit beantragt ist, mit einer Stromleistung von knapp 2,5 GWh/a zu rechnen. Teilt man den Langenfelder Strombedarf von 207 GWh/a durch die Stromleistung einer WKA, erhält man die Anzahl von 83 WKA.

Dementsprechend wären 41 WKA – und nicht 2 WKA – erforderlich, um den halben Strombedarf Langenfelds decken!

Nach allem stellt sich die Frage: Hat sich der Herr nur verrechnet, oder war er schlecht informiert, oder steckt eigentlich etwas anderes hinter seiner Aussage? 

Download: Beitrag

[1] Integriertes Klimaschutzkonzept der Stadt Langenfeld (Rheinland), Endbericht, November 2011. 
[2] Integriertes Klimaschutzkonzept a.a.O., S. 152, Tabelle 11, Summe der Zeile „Strom“ mit den Angaben: 12,7 / 19,2 / 30,1 / 24,5 / 34,5 / 56,5 und 29,8 GWh/a. 
[3] Das entspricht ca. 25 % des gesamten Energiebedarfs von Langenfeld (795 GWh/a).

Ċ
Andreas Lobb,
23.02.2013, 06:51